Entwicklung und Evaluation einer indikationsübergreifenden internetbasierten Nachsorgemaßnahme zur Verbesserung der beruflichen Reintegration


Dr. Rüdiger Zwerenz et al., Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Hintergrund
In der medizinischen Rehabilitation haben Behandlungsmodule zur gezielten Unterstützung der beruflichen Wiedereingliederung einen hohen Stellenwert. Die während der Rehabilitation vermittelten Verhaltens- und Einstellungsänderungen auch im Alltag nachhaltig zu sichern, insbesondere auch bei auftretenden beruflich bedingten Belastungen, ist jedoch häufig schwierig. Bei dem Forschungsprojekt wurde eine internetbasierte Nachsorgemaßnahme zur Verbesserung der beruflichen Reintegration für beruflich belastete Rehabilitanden entwickelt und evaluiert (GSA-Online). Die Nachsorgemaßnahme stützte sich auf das für den stationären Bereich bereits positiv evaluierte, berufsbezogene Behandlungsmodul "Gesundheitstraining Stressbewältigung am Arbeitsplatz" (GSA-stationär).

Methodik
In der randomisierten Interventionsstudie wurden die Akzeptanz und die Wirksamkeit der internetbasierten Nachsorge bei beruflich belasteten Patienten der stationären medizinischen Rehabilitation in den drei Indikationsbereichen Kardiologie, Orthopädie und Psychosomatik untersucht. Die Datenerhebung erfolgte zu vier Zeitpunkten: zu Beginn der stationären Rehabilitation (t0), an deren Ende (t1), 3 Monate bzw. 12 Monate nach stationärer Rehabilitation (t2, t3). Als primäre Zielgröße fungieren der sozialmedizinische Risikoindex des SIBAR (Screening besonderer beruflicher Problemlagen) und die subjektive Prognose der Erwerbstätigkeit als valide Maße für das Risiko einer Frühberentung.

Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit vier Kooperationskliniken durchgeführt. Insgesamt wurden N = 664 beruflich belastete Patienten in die Studie eingeschlossen. Die einbezogenen Rehabilitanden erhielten zunächst alle stationär das bewährte GSA-Training. Danach erfolgte die Randomisierung. Patienten der Interventionsgruppe (IG) erhielten im Anschluss an die stationäre Rehabilitation das internetbasierte Nachsorgeangebot. Aufbauend auf dem stationären Modul konnte die IG drei Monate lang eine Internetplattform mit Arbeitsmaterialien und Entspannungsübungen nutzen. Zudem wurde ihnen eine strukturierte Schreibaufgabe gestellt, im Sinne eines wöchentlichen Berichts (Blog). Eine zeitnahe Rückmeldung zu den Texten erhielten die Rehabilitanden von einer psychologischen Projektmitarbeiterin der Universitätsmedizin Mainz. Patienten der Kontrollgruppe (KG) wurden über die üblichen Nachsorgemöglichkeiten informiert ("Treatment as usual"). Darüber hinaus wurden ihnen für die Dauer von drei Monaten regelmäßig über die Internetplattform Links zur Verfügung gestellt, die sie zu allgemein zugänglichen Gesundheitsinformationen, die hilfreich zum Umgang mit beruflichen Belastungen sind, führten.

Ergebnisse
Insgesamt zeigte sich mit 76 % (KG) bzw. 78 % (IG) Teilnahme eine sehr hohe Akzeptanz. Sowohl am Ende der Intervention (t2) wie auch neun Monate später (t3) zeigten sich im sozialmedizinischen Risikoindex des SIBAR keine signifikanten Unterschiede zwischen den Studiengruppen. Auf die subjektive Prognose der Erwerbstätigkeit hatte die Intervention jedoch einen positiven Einfluss. Besonders bei Betrachtung einzelner Aspekte der subjektiven Erwerbsprognose (subjektiv berichtete berufliche Belastung und Leistungsfähigkeit) zeigten sich Effekte, die zum Teil auch bis 12 Monate nach Reha-Ende stabil sind. Auch beim Erleben und Verhalten im Umgang mit beruflichen Belastungen profitierte die Interventionsgruppe und zur Katamnese berichten die Rehabilitanden der IG über eine größere innere Ruhe und Ausgeglichenheit sowie über mehr Lebenszufriedenheit. Im Hinblick auf die psychische Gesundheit und häufige psychische Belastungen (Depression, Ängstlichkeit, Stress, Somatisierung, Panikattacken) zeigen sich ebenfalls größere Verbesserungen. Zusammenfassend kann konstatiert werden, dass die Patienten der Interventionsgruppe auf vielen Ebenen von der Teilnahme am Programm profitiert haben und dass sie zum Ende der Intervention ein etwas geringeres Risiko für eine Frühberentung aufwiesen als die Kontrollgruppe. Die größte Nutzungshäufigkeit und die höchste Zufriedenheit berichteten die IG-Teilnehmer für die Blogs und deren therapeutische Kommentierung.

Mit GSA-Online konnte eine wirksame Nachsorgemaßnahme entwickelt werden, mit der Rehabilitanden zeitnah sowie überregional versorgt werden können und wodurch eine Verstetigung der stationären Reha-Erfolge erreicht werden kann. Der Ansatz ist vergleichsweise kostengünstig und mit begrenztem Aufwand für Reha-Einrichtung und Rehabilitand verbunden.

Ansprechpartner:
Dr. Rüdiger Zwerenz (Projektleitung): ruediger.zwerenz@unimedizin-mainz.de

Den Abschlussbericht zum Projekt finden Sie hier:

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Letzte Änderung: 13.02.2015 12:52:09