Lebensstil-aendern.de - Videobasierte Internetplattform zur Unterstützung einer nachhaltigen Lebensstilmodifikation im Alltag


Prof. Dr. Gesinde Grande, Cynthia Richter, Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

Hintergrund
Die Verbesserung der langfristigen Wirksamkeit der medizinischen Rehabilitation ist ein zentrales Ziel der Rehabilitationsforschung. Im Zentrum des vorliegenden Projektes stand daher die Entwicklung und Evaluation einer kostenfreien Internetplattform www.lebensstil-aendern.de, die es Rehabilitanden erleichtern soll, die während der Rehabilitation erlernten Änderungen ihres Lebensstils im Alltag nach dem Reha-Aufenthalt beizubehalten. In videogestützten Best-Practice-Beispielen berichten ehemalige Rehabilitanden darüber, was sie in der Rehabilitation gelernt haben und wie sie die Lebenstiländerungen in ihren Alltag integrieren konnten. Als geeignete Indikationen wurden koronare Herzerkrankungen (KHK) und Dorsopathien (Rückenschmerzen) ausgewählt, da gerade bei diesen Erkrankungen beeinflussbare Lebensstilfaktoren als besonders bedeutsam für den weiteren Verlauf der Erkrankung gelten.

Als Best-Practice-Beispiele fungieren Rehabilitanden, die nach ihrer Selbsteinschätzung einen Aspekt der Lebensstilmodifikation seit mindestens einem halben Jahr erfolgreich im Alltag umsetzen. Ihre Berichte wurden durch medizinische und therapeutische Experten geprüft, um eine Weitergabe potenziell schädigender Instruktionen oder Empfehlungen auszuschließen.

Die Beiträge wurden für die Darstellung auf der Website nach verschiedenen Aspekten des Gesundheitsverhaltens gegliedert, z. B. Motivation zu einer Lebensstiländerung, Bewegung oder Ernährung. Eine Verschlagwortung, eine Suchfunktion sowie Internetforen, die eine aktive Beteiligung und einen Austausch der Rehabilitanden untereinander ermöglichen, wurden eingerichtet.

Methodik
Die Wirksamkeit der Website www.lebensstil-aendern.de sollte in einer kontrollierten Interventionsstudie für beide Indikationen geprüft werden. Die Studienteilnehmer stammten aus sieben Rehabilitationseinrichtungen; die Patientenaufnahme erfolgte nach einem sequenziellen Design zunächst in die Kontrollgruppe und dann in die gleichgroße Interventionsgruppe. Die Interventionsgruppe (IG) erhielt während der Rehabilitation eine einstündige Patientenschulung zur Nutzung der Website sowie vier Wochen später einen E-Mail-Reminder mit der Bitte, weiterhin am Projekt teilzunehmen. Die Kontrollgruppe (KG) erhielt keine Intervention. Mittels eines Fragebogens wurden während der Rehabilitation (t1) und drei Monate nach der Rehabilitation (t2) das gesundheitsbezogene Verhalten erfragt sowie Verhaltensänderungen von t1 zu t2 ermittelt. Für die kontrollierte Interventionsstudie wurden zu Reha-Beginn (t1) 699 Patienten (KG=356, IG=343) in die Studie eingeschlossen. Der Drop-Out zu t2 war bei den Patienten mit koronarer Herzerkrankung (22 %, N=61) höher als bei den Patienten mit Dorsopathien (14,4 %, N=60).

Zur Bewertung der Akzeptanz und Nutzerfreundlichkeit der Website wurde eine Nutzerstatistik geführt. Dabei wurden z. B. die Anzahl der Besucher, die Häufigkeit der Besuche und die Verweildauer auf der Website erfasst. Außerdem waren auf der Website zwei Online-Fragebögen zur Analyse der Nutzer-Zufriedenheit mit der Website zugänglich.

Ergebnisse
Die Internetplattform www.lebensstil-aendern.de enthält 66 Best-Practice-Beispiele gelungener Lebensstiländerungen von Rehabilitanden mit Video-, Audio- und Textbeiträgen. Die Nutzerstatistik belegt von November 2011 bis Dezember 2012 5.641 Seitenbesuche von 4.333 Besuchern. Durchschnittlich lag die Besuchszeit bei 2.5 Minuten. Das angebotene interaktive Forum wurde kaum genutzt. Auf die Internetplattform wurde vermehrt zugegriffen, wenn sie aktiv beworben wurde.

In der Online-Befragung wurden die Erfahrungsberichte als glaubwürdig, hilfreich und motivierend bewertet. Insgesamt bekam die Website von den Nutzern eine Durchschnittsnote von 2,2, was z. B. die Ausgestaltung, den Informationsgehalt, ihre Eignung für Motivierung zu einer Lebensstiländerung und den persönlichen Nutzen anbelangt.

Aus der Interventionsgruppe haben nur 47,6 % die Website tatsächlich mindestens einmal genutzt. Für die Datenauswertung war deshalb nur ein Vergleich von tatsächlichen Nutzern und Nicht-Nutzern der Website sinnvoll (so genannte As-treated-Analyse). PatientInnen mit einer koronaren Herzerkrankung, die die Website genutzt hatten, zeigten günstigere Veränderungen bei ihren Essgewohnheiten als Nicht-Nutzer. Nutzer mit Rückenschmerzen zeigten im Vergleich zu Nicht-Nutzern günstigere Veränderungen in allen erhobenen Verhaltensbereichen (z. B. mehr Bewegung im Alltag, mehr Verzehr gesunder Lebensmittel, rückengerechtere Körperhaltung beim Gehen, Stehen, Sitzen usw.).

Die Ergebnisse deuten auf einen positiven Einfluss der Nutzung von www.lebensstil-aendern.de auf die Verhaltensänderung bei den Patienten hin, welche die Internetplattform tatsächlich im Alltag nutzten. Auch wenn die Wirksamkeit dieses Internetangebots nicht durch statistisch signifikante Ergebnisse belegt werden konnte, kann die videobasierte Internetplattform Patienten mit koronarer Herzerkrankung und Dorsopathien bei der Änderung ihres Lebensstils nach einer Rehabilitation unterstützen.

Ansprechpartnerin:
Prof. Dr. Gesine Grande (Projektleitung): gesine.grande@htwk-leipzig.de

Den Abschlussbericht zum Projekt finden Sie hier:

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Letzte Änderung: 02.03.2015 14:57:29