Forschungsschwerpunkt "Nachhaltigkeit durch Vernetzung"


Hintergrund
Ein zentrales Ziel der Rehabilitationsforschung ist die Verbesserung der langfristigen Wirksamkeit der medizinischen Rehabilitation bzw. ihrer Nachhaltigkeit. Die Deutsche Rentenversicherung Bund hat deshalb im Jahr 2009 den Forschungsschwerpunkt "Nachhaltigkeit der medizinischen Rehabilitation durch Vernetzung" ins Leben gerufen, in dem über einen Zeitraum von etwa 3 Jahren 5 Forschungsprojekte gefördert wurden.

Evaluationsstudien haben gezeigt, dass die medizinische Rehabilitation überwiegend gute kurzfristige Erfolge erzielt. Die längerfristige Wirksamkeit der Rehabilitation ist dagegen weniger gut belegt und verbesserungsbedürftig. Um die während einer Rehabilitation erzielten Erfolge zu verstetigen, hat die Rentenversicherung die Möglichkeiten für nachsorgende Leistungen im Anschluss an eine Rehabilitationsmaßnahme stetig ausgebaut. Das Nachsorgeprogramm IRENA der Deutschen Rentenversicherung Bund wird zurzeit wissenschaftlich evaluiert. Auch zu verschiedenen anderen Ansätzen der Nachsorge liegen bereits Ergebnisse aus Evaluationsprojekten vor. Derartige Nachsorgeprogramme stellen ein wichtiges Element der Vernetzung dar, schöpfen jedoch deren Möglichkeiten noch nicht aus.

Damit Rehabilitation wirksam sein kann, muss sie mit den der Rehabilitation vorangehenden bzw. folgenden therapeutischen Leistungen sinnvoll vernetzt sein und das Lebens- und Arbeitsumfeld der Rehabilitandinnen und Rehabilitanden einbeziehen. Auch die Vorbereitung auf die Rehabilitation setzt entsprechende Aktivitäten der Reha-Einrichtungen und Leistungsträger voraus. Ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt für wirksame Vernetzung ergibt sich auch aus der verstärkten beruflichen Orientierung der Rehabilitation, z. B. durch die Kooperation mit Betrieben.

Die modernen Informationstechnologien eröffnen vielseitige neue Möglichkeiten, die für eine Vernetzung der Rehabilitation genutzt werden können. Dabei geht es sowohl darum, Informationen über wohnortnahe Ansprechpartner und Leistungsanbieter für Rehabilitandinnen und Rehabilitanden bereit zu halten, als auch Kontakte zu diesen Akteuren zu schaffen. Die vorhandenen Medien können zudem zur weiterführenden Kommunikation mit den Betroffenen nach der Rehabilitation eingesetzt werden, um beispielsweise die Motivation für nachsorgende Aktivitäten zu unterstützen.

Um forschende Institutionen, insbesondere auch aus den regionalen rehabilitationswissenschaftlichen Forschungsverbünden, gezielt dazu anzuregen, entsprechende Projekte zu beantragen, erfolgte im August 2009 eine öffentliche Bekanntmachung. Darin wurden Vorhaben angesprochen, deren Interventionen auf folgende Bereiche zielen:

  • Vorbereitung von Rehabilitationsleistungen über die Einbeziehung des Lebensumfelds der Rehabilitandinnen und Rehabilitanden, inklusive des medizinischen Versorgungsbereichs
  • Vernetzung mit Betrieben/Unternehmen zur Vorbereitung von Rehabilitationsleistungen und/oder zur Umsetzung von Reha-Ergebnissen und Verstetigung von Reha-Erfolgen
  • Nachsorgeleistungen über Informationstechnologien (unter anderem Telefon, Internet)
  • Vernetzung mit der medizinischen Versorgung im Wohnumfeld der Rehabilitandinnen und Rehabilitanden
  • Bahnung und Unterstützung von eigeninitiativen Nachsorgeaktivitäten der Rehabilitandinnen und Rehabiltanden

Link zur Bekanntmachung

Anträge und Projekte
Das 2-stufige Antrags- und Begutachtungsverfahren wurde über den Bereich Reha-Wissenschaften der Deutschen Rentenversicherung Bund abgewickelt.

Von insgesamt 39 eingereichten Projektskizzen wurden im ersten Begutachtungsschritt 12 Skizzen ausgewählt, die für die Ausarbeitung eines ausführlichen Forschungsantrags geeignet schienen. Im zweiten Begutachtungsschritt erfolgte die Begutachtung der ausgearbeiteten Projektanträge durch GutachterInnen der Deutschen Rentenversicherung Bund. Die Förderempfehlung für 5 Projekte wurde von den zuständigen Gremien der Deutschen Rentenversicherung Bund bestätigt.

Von 2010 bis 2014 erforschten die Projekte Strategien zur langfristigen Aufrechterhaltung von Reha-Erfolgen. Durch eine Vernetzung zwischen Reha-Einrichtung und Rehabilitanden sollte die Rehabilitation noch stärker in das Lebens- und Arbeitsumfeld der Versicherten hinein wirken können. Die modernen Informationstechnologien wurden dazu in unterschiedlicher Weise genutzt.

Laufzeit Projekt
11/2010
bis
03/2013
Psychotherapeutische E-Mail-Nachsorge zur Förderung der Nachhaltigkeit des Rehabilitationserfolges von Patienten mit psychischen Erkrankungen am Beispiel Angsterkrankungen/depressiven Störungen

Prof. Dr. Birgit Watzke et al.,
Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (seit 2013 Universität Zürich)
Nähere Informationen
09/2010
bis
03/2014
Lebensstil-aendern.de - Videobasierte Internetplattform zur Unterstützung einer nachhaltigen Lebensstilmodifikation im Alltag

Prof. Dr. Gesine Grande et al.,
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig
Nähere Informationen
11/2010
bis
08/2014
Entwicklung und Evaluation einer indikationsübergreifenden internetbasierten Nachsorgemaßnahme zur Verbesserung der beruflichen Reintegration

Dr. Rüdiger Zwerenz et al.,
Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
Nähere Informationen
12/2010
bis
07/2014
Aufbau eines Web-basierten Zentrums"Reha-Nachsorge" in Deutschland

PD Dr. Ruth Deck et al.,
Institut für Sozialmedizin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Nähere Informationen
12/2010
bis
04/2014
Verbesserung der Vernetzung und Nachhaltigkeit der medizinischen Rehabilitation zur Steigerung der Bewegungsaktivität bei Frauen mit Brustkrebs

Prof. Dr. Wilfried Mau et al.,
Institut für Rehabilitationsmedizin, Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Nähere Informationen


Letzte Änderung: 11.11.2014 11:45:59