Entwicklung eines Schulungsprogramms für PatientInnen mit Fibromyalgie-Syndrom


Die Gruppe der Fibromyalgiepatienten stellt eine Risikogruppe für anfallende direkte und indirekte Krankheitskosten und einen problematischen sozialmedizinischen Verlauf dar. Bei der Erkrankung Fibromyalgie handelt es sich um einen Symptomkomplex mit chronischen Schmerzen in mehreren Körperregionen. Neben körperlichen Beschwerden hat ein Großteil der Betroffenen auch psychische Beeinträchtigungen (z. B. Angst, Depression). Für die Gruppe der Fibromyalgiepatienten gibt es unterschiedliche Patientenschulungsprogramme, die in der Praxis häufig modifiziert bzw. einzelne Module unterschiedlich gewichtet werden, um sie z. B. den Klinikabläufen anzupassen.

In der medizinischen Rehabilitation haben Patientenschulungen als Bestandteil eines multimodalen Therapieprogramms einen hohen Stellenwert. Sie liefern einen wichtigen Beitrag zur Erreichung funktioneller, edukativer und psychosozialer Ziele.

Das von Dr. Inge Ehlebracht-König und Dipl.-Päd. Karolina Siemienik (Rehazentrum Bad Eilsen) durchgeführte Projekt hatte daher das Ziel, die vorhandenen Ansätze - orientiert am aktuellen Forschungsstand - in einem Patientenschulungsprogramm zusammenzuführen, das insbesondere auf den Rehabilitationsbereich zugeschnitten ist und zukünftig als ein Qualifizierungsmerkmal für Rehabilitationskliniken eingesetzt werden kann.

Das Projekt gliederte sich in vier Phasen:

  • Phase 1: nationale und internationale Literaturanalyse, Sichtung vorhandener Schulungsprogramme zum Fibromyalgie-Syndrom
  • Phase 2: Bewertung der Programme durch Expertengruppe, Durchführung von Fokusgruppen mit Betroffenen (N=48), um aus Betroffenensicht die Erwartungen an die Inhalte der zu entwickelnden Patientenschulung zu erfassen
  • Phase 3: Neuentwicklung bzw. Aktualisierung eines Patientenschulungsprogramms Fibromyalgie-Syndrom, Ausarbeitung eines modularen Curriculums mit Lernzielen, Inhalten, Zeitvorgaben, Medien, Methoden und Informationsmaterial
  • Phase 4: Pilottestung mit Akzeptanzbefragung (Betroffene) und Dokumentationsbogen (Therapeuten) in drei Reha-Einrichtungen

Das entwickelte Schulungsprogramm besteht aus sechs Einheiten und einer weiteren Einheit, die optional durchgeführt werden kann. Die Module sollen von Therapeutinnen und Therapeuten aus Medizin, Psychologie und Physiotherapie angeboten werden. Es sind sechs Module zu je 90 Minuten und eine optionale Einführungsveranstaltung mit einer Dauer von 60-90 Minuten. Im Rahmen einer stationären Rehabilitation sollten die Module innerhalb des Rehabilitationsaufenthaltes sinnvoll realisiert werden.

  • Modul 0: Einführung und Vorbesprechung (optional)
  • Modul 1: Das Fibromyalgie-Syndrom - Was bedeutet das?
  • Modul 2: Wie wird das Fibromyalgie-Syndrom behandelt?
  • Modul 3: Dem Schmerz begegnen!
  • Modul 4: Mir tut alles weh! - Warum also Bewegung?
  • Modul 5: Mir wächst alles über den Kopf! - Wege aus dem Stress
  • Modul 6: Gestärkt in den Alltag!

Das Schulungsprogramm für Patientinnen und Patienten mit Fibromyalgie-Syndrom wurde von den Betroffenen und Therapeuten insgesamt sehr positiv bewertet. Das Programm ist zugeschnitten auf die medizinische Rehabilitation und sowohl in somatischen als auch psychosomatischen Rehabilitationseinrichtungen, ambulant und stationär anwendbar. Es hat einen curricularen Aufbau und liegt manualisiert vor.

Da sich das Patientenschulungsprogramm in der ersten klinischen Anwendung als geeignet erwiesen hat, ist als nächster Schritt eine wissenschaftliche Evaluation in einem Folgeprojekt geplant.

Das Projekt wurde mit dem Gesundheitspreis Niedersachsen 2012 ausgezeichnet.

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Letzte Änderung: 19.06.2014 15:48:37