Entwicklung von Materialen für die Dissemination evidenzbasierter Konzepte für die Bewegungstherapie in der Rehabilitation


Hintergrund
Die Bewegungstherapie stellt als umfangstärkstes Interventionselement einen wichtigen Baustein der medizinischen Rehabilitation dar. Bislang liegen allerdings kaum bewegungstherapeutische Konzepte vor, welche die Bindung an einen körperlich aktiven Lebensstil und den damit eng verbundenen Aufbau von bewegungsbezogener Gesundheitskompetenz systematisch umsetzen. Vor diesem Hintergrund wurden in einem Vorgängerprojekt (Pfeifer, Geidl, Hendrich, Hofmann et al., 2009) evidenzgesicherte Konzepte für die Bewegungstherapie für rehabilitationsrelevante Indikationsbereiche entwickelt, unter anderem für "Hüft-TEP / Knie-TEP" und "Typ-2-Diabetes / Adipositas".

Fragestellungen
Ziel des Projektes war es, für die beiden Indikationsbereiche "Hüft-/ Knie-TEP" und "Typ-2-Diabetes / Adipositas" die vorhandenen Konzepte einer modernen Verhaltensbezogenen Bewegungstherapie (VBT) formativ zu evaluieren, probehalber in je einer Klinik zu implementieren und dabei die vorhandenen Medien und Materialien für Patienten und Therapeuten weiterzuentwickeln.

Methodik
Alle VBT-Bausteine der Module Ausdauertraining, Krafttraining, Koordinationstraining und Verhaltensänderung wurden zunächst mittels explorativer sowie (teil-)standardisierter Befragung des bewegungstherapeutischen Teams in drei Kliniken des Indikationsbereichs "Hüft- TEP / Knie-TEP" und in einer Klinik des Indikationsbereichs "Adipositas/Typ-2-Diabetes" evaluiert und anschließend überarbeitet.

Für den Indikationsbereich "Typ-2-Diabetes / Adipositas" erfolgte zusätzlich die Implementierung des VBT-Programms mit einer zehn-wöchigen Praxiserprobung und begleitender Befragung durch die Teilnehmer/innen sowie einer abschließenden formativen Evaluation durch die umsetzenden Bewegungstherapeuten/innen sowie die Leitung der bewegungstherapeutischen Abteilung (jeweils mittels explorativer sowie (teil)-standardisierter Fragebögen).

Ergebnisse
Das inhaltliche Merkmal der VBT-Konzepte ist die systematische Verknüpfung von Elementen des körperlichen Übens und Trainierens mit pädagogischen Elementen der Patientenschulung und verhaltensbezogenen Techniken. Mit den formativ evaluierten VBT-Konzepten für die Indikationsbereiche "Typ-2-Diabetes / Adipositas" sowie "Hüft-TEP / Knie-TEP" liegen nun evidenzbasierte, strukturierte Interventionskonzepte für den Einsatz in der Rehabilitation vor. Diese bestehen jeweils aus einem Therapeutenmanual und einem Teilnehmerheft. Die entwickelten Klinikmaterialien genügen den Anforderungen an einfach zu verstehende Informationsmaterialien (Center of Disease Control, 2010) in den zentralen Kategorien Inhalt, Textanordnung, Optik, Layout, Design und Verständlichkeit. Für die Schulung des bewegungstherapeutischen Teams wurden im Hinblick auf die Durchführung einer VBT indikationsspezifische Curricula mit einem Umfang von je zwölf Unterrichteinheiten à 45 Minuten entwickelt.

Für das VBT-Konzept "Typ-2-Diabetes / Adipositas" zeigte sich in der Praxiserprobung eine gute Durchführbarkeit, eine gute Angemessenheit der Inhalte sowie eine hohe Akzeptanz bei den umsetzenden Bewegungstherapeuten/innen, der Leitung der bewegungs-therapeutischen Abteilung sowie bei den Rehabilitanden/innen.

Die geplante Praxiserprobung des VBT-Konzeptes "Hüft-TEP / Knie-TEP" war im gewählten Setting der stationären Rehabilitation nicht zu verwirklichen. Hierfür waren verschiedene konzept-, klinik- sowie zielgruppenspezifische Gründe verantwortlich. In den Interviews mit den betroffenen Reha-Einrichtungen wurde deutlich, dass zu wenige Rehabilitanden/innen schon wieder über eine voll belastbare TEP sowie vorhandene grundlegende Bewegungsfunktionen, wie z.B. Gehen, verfügen. Das VBT-Konzept wird deshalb eher als geeignetes Nachsorgeangebot, z. B. in Form einer dauerhaft stattfindenden Reha- bzw. Gelenksportgruppe, angesehen.

Fazit
Die Entwicklung theoriebasierter, evidenzgesicherter Konzepte einer verhaltensbezogenen Bewegungstherapie sowie deren formative Evaluation inklusive der Bereitstellung leicht verständlicher Klinikmaterialien, stellt den ersten Schritt zu einer systematischen Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung der bewegungstherapeutischen Versorgung dar. Die Evaluierung des VBT-Konzepts "Typ-2-Diabetes / Adipositas" in nur einer Reha-Einrichtung schränkt die Ergebnisse allerdings ein und erfordert eine weitere Evaluation mit multizentrischer Ausrichtung.

Einen Abschlussbericht zum Projekt finden Sie hier:

Klinikmaterialien "Typ-2-Diabetes Adipositas"

Klinikmaterialien "TEP"

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Letzte Änderung: 19.06.2014 15:48:49